underground project
21|09|26 – 30|04|27

Seit acht Jahren entsteht hier etwas, das sich bewusst dem klassischen Galeriekontext entzieht: In den riesigen Reifenlagern der Pneu Fahrni AG treffen zeitgenössische Kunst und industrielle Arbeitswelt aufeinander.

Zwischen Stapeln von LKW-Reifen, schweren Maschinen und dunklen Gängen tauchen immer wieder Werke internationaler Künstler auf. Arbeiten von Dave the Chimp, EVOL, Smash, Anders Gjennestad, Icy & Sot, Mark Jenkins, Benjamin Laading, Swet und Vesod verstecken sich nicht in weissen Ausstellungsräumen; sie sind Teil dieser rauen, unerwarteten Umgebung.

Das Licht ist gedämpft. Die Luft riecht nach Gummi und Werkstatt. Reifen erinnern an Strassen, an Bewegung, an den urbanen Raum. Und plötzlich steht man vor einem Kunstwerk, halb verborgen hinter einer Maschine oder zwischen riesigen Stapeln schwarzer Reifen.

Besonders am Abend entwickelt der Ort eine ganz eigene Atmosphäre. Die Produktion der runderneuerten LKW-Reifen ruht. Die Maschinen stehen still, ihre metallischen Oberflächen glitzern im Licht der Taschenlampen. Die Dunkelheit macht die Kunst nicht kleiner, sondern intensiver. Jeder neue Raum, jeder Gang wird zu einer Entdeckung.

Man bewegt sich nicht durch eine Ausstellung, man erkundet einen Ort. Es fühlt sich an wie eine nächtliche Expedition durch eine verborgene urbane Welt: roh, geheimnisvoll und überraschend. Die Kunst begegnet einem nicht frontal, sondern taucht auf. Zwischen Industrie und Street Art entsteht eine Spannung, die man in einer klassischen Galerie kaum erzeugen könnte.

Hier gehören Kunst, Raum und Geschichte untrennbar zusammen. Die Reifen werden zur Kulisse, die Maschinen zum Ausstellungsarchiv, die Dunkelheit zum Teil der Inszenierung. Ein Underground-Projekt im wahrsten Sinne des Wortes;dort, wo man Kunst nicht erwartet.

Anders Gjennestad | Photo: Mike Niederhauser