Pia Maria Martin, Vivace I, 2006, Copyright: Pia Maria Martin

fahrnisbau @ Museum für Kommunikation, 15.10.2016–25.11.2016

Im Rahmen der Ausstellung "Totentanz - Bern lebt! Der Totentanz in der zeitgenössischen Kunst", steht der fahrnisbau vor dem Museum für Kommunikation in Bern. Gezeigt wird eine Arbeit von Pia Maria Martin. In ihrem Video inszeniert Martin eine Auswahl von Objekten – darunter ein menschlicher Schädel, eine Geige, mehrere dicke Bücher, eine Sanduhr und ein Globus – feinsäuberlich auf einem Tisch, der mit einem roten Tuch drapiert ist.

Die Auswahl und das Arrangement der Gegenstände erinnern an ein Vanitas-Stillleben aus dem 17. Jahrhundert, wie sie insbesondere in den Niederlanden beliebt waren. Die Szenerie scheint unbeweglich, still und insbesondere der Schädel verweist als Memento Mori direkt auf die Vergänglichkeit des menschlichen Seins.

Bei aufmerksamer Betrachtung der Objekte sticht jedoch die flackernde Kerze ins Auge, die sich vom gewohnten Bild eines Stilllebens abhebt und einen Bezug zur gefilmten Lebendigkeit der Objekte herstellt. In der Folge animiert Pia Maria Martin alle Objekte des Arrangements und bricht dadurch die evozierte Illusion eines erstarrten Stilllebens. Auf surrealistisch-rätselhafte Weise dreht sich plötzlich der Erdglobus, die Feder beginnt zu schreiben, die Geige spielt Musik oder der Schädel beisst in das Tischtuch. Auf einmal erscheint die Szenerie als munter-lebhafte und bewegte Narration, vivace! Erst mit fortgeschrittener Zeit legt sich alles wieder in eine Situation der Stille und Starre.

Pia Maria Martin (geb. 1974 in Altdorf bei Nürnberg), arbeitet und lebt in Stuttgart und Nizza. Seit 2013 ist sie Professorin für Video und bewegtes Bild an der Villa Arson, Ecole nationale supérieure d’art Nice. Das gezeigte Werk ist eine von ursprünglich drei Videoarbeiten animierter Stillleben. Sie entstand 2006 für die Ausstellung «Frischzelle_03: Pia Maria Martin» im Kunstmuseum Stuttgart und nicht zuletzt mit Blick auf die museale Nähe zu Arbeiten des Schweizer Künstlers Dieter Roth.

Ort: Museum für Kommunikation, Helvetiastrasse 16, 3005 Bern
Öffnungszeiten: Di-So, 12-17 Uhr

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit www.videokunst.ch